So ganz geheuer war mir das Band-Aufgebot im Vorfeld nicht wirklich. Im Gegensatz zu den meisten oder viel mehr allen restlichen Städten, in denen Wolves In The Throne Room bis dato konzerttechnisch anheuerten, waren sie an diesem Abend die einzige Band, die ihre Musik als Black Metal bezeichnen durften. Alle anderen - nämlich in dieser Reihenfolge Abominations, Ives#1, Utarm, welche anscheinend erst kurzfristig ins Billing berufen wurden sowie Shit And Shine als Headliner - spielten zum großen Teil elektronische Musik, die hier und dort durch gewöhnliche Klampfen, Bassgitarren, Schlagzeuge und sogar Apple-Laptops komplettiert wurde. Dass die Leute höchstwahrscheinlich eine metallische Vergangenheit haben, war teilweise aber durchaus ersichtlich. Da ich von Noise, denn so ließ sich die Musik der ersten beiden Musikgruppen wohl am ehesten beschreiben, nicht allzu viel Ahnung habe, möchte ich mich einer ernsthaften Kritik enthalten. Ganz interessant anzuschauen war das Ganze allerdings schon. Das dritte Projekt wiederum wartete mit ruhigen, synthetischen Klängen und einem Saiteninstrument auf, wobei das Ganze später durch verzweifelte Schreie von einem der beiden Bandmitglieder noch eine gewisse Dramatik hinzubekam. Nun ja, ob das nun Kunst ist oder das komplette Gegenteil, sei mal dahingestellt. Auch hierbei fühlte ich mich aber recht gut unterhalten. Nach Wolves In The Throne Room, die als Viertes spielten und auf welche ich selbstverständlich gleich noch ausführlicher zu sprechen kommen werde, folgten Shit And Shine. Was das nun genau sollte, fragte ich mich ernsthaft. Keine Ahnung, wie viel Schlagzeuge plötzlich auf der Bühne sowie links und rechts neben den Zuschauern verteilt waren, jedenfalls war jedes mit einem Trommler besetzt und allesamt spielten den gleichen Rhythmus. Die einzige Abwechslung wurde durch Synthesizer-Sounds erschaffen, die ich aber akustisch kaum noch erhaschen konnte, da mein Trommelfell bereits durch die vorherige Musik reichlich lädiert war. Diese Vorstellung dauerte zu meinem Entsetzen auch noch eine ganze Stunde an. Um vier Uhr morgens bekommt man allerdings schwerlich eine Band zu Gesicht, die einen so wunderbar aufs Schlafen einstimmt.

Der einzig ernsthafte Grund, aus dem ich an diesem Mittwochabend im Club Maria geschätzte acht Stunden lang verweilte, waren natürlich Wolves In The Throne Room. Nachdem das bunt gemischte Publikum durch technische Probleme dazu gezwungen war, eine halbe Stunde länger als geplant auf den Auftritt des Trios zu warten, enterten sie endlich die Bühne. Wie erwartet trugen die Herren weder Corpsepaint noch Nieten oder ähnlich Klischee- und Szenetypisches. Nicht einmal Bandshirts zierten die Oberkörper der Musiker. Ähnlich kompromisslos ging es dann weiter. Ohne großartiges Vorgeplänkel knallten sie mit "Vastness And Sorrow" das erste von insgesamt leider nur drei Stücken auf die Bretter. Die ersten Augenblicke war ich mit dem Sound nicht allzu zufrieden. Wahrscheinlich war ich auf solch ein offensives Inferno, welches diese drei Gestalten aus Washington dort vorn abfeuerten, gar nicht gefasst. Nach ein wenigen paar Sekunden akklimatisierte ich mich aber bereits und ihre Musik entfaltete ihr Potenzial. Was auf den Tonträgern manches Mal eher ein wenig verträumt und episch klingt, kam vor Ort wie eine natürliche Urgewalt daher, die ungewöhnlich viel Zuwendung fand. Selbst die unscheinbarsten Studenten tummelten sich kopfschüttelnd vor der Bühne. Besonderes Augenmerk sollte auch auf dem Schlagzeuger liegen, der spielerisch wirklich das ein oder andere draufzuhaben scheint. Kein standardisiertes Geholze sondern sehr energiegeladenes und durchaus technisches Spiel, das der Musik des Trios vor allem live nur noch mehr Brachialität und Entschlossenheit vermittelte. Auch die melancholischeren Abschnitte kamen wunderbar zur Geltung und so wirkte der Auftritt letztlich glücklicherweise so harmonisch, wie es ihre bisher zwei Alben zu Genüge tun.



Nach diesen wunderbaren Impressionen erfuhr ich sogar noch aus erster Hand, was es denn mit dem Bandnamen auf sich habe. Die Wölfe sind in diesem Fall so etwas wie korrupte Individuen, der Thronraum stellt hingegen den hohen Amtssitz selbiger dar. Es wird also angeprangert, dass - beispielsweise - Völker von schlechten Menschen geführt und dabei ausgebeutet, unterdrückt oder Ähnliches werden.

Gut, kommen wir allmählich zum Schluss. Alles in allem würde ich den Abend aus meiner Sicht als sehr gelungen bezeichnen. Trotz der merkwürdigen Bandzusammenstellung - oder gerade deswegen - war mein erster Besuch des Club Maria eine lohnenswerte Investition. Was man allerdings benötigte, war genug Zeit. Hätte man sich alles angesehen, was auf der Bühne geboten wurde, so wäre man vor fünf Uhr morgens wahrscheinlich nicht im eigenen Heim angekommen. Wohl dem, der Urlaub hat! Die Pausen zwischen den Bands waren nämlich recht lang und betrugen im Schnitt wohl eine halbe Stunde jeweils. Reichlich Zeit also, um sich ein wenig Bier in den Rachen zu kippen, gleichzeitig aber auch, um den Geldbeutel immens zu leeren. Die Location wird für reine Black-Metal-Konzerte wohl auch in Zukunft nicht passend sein, sehr gemütlich und eigenwillig fand ich selbige aber definitiv.