Totale Vernichtung - Massenmord an Untermenschen

Totale Vernichtung - Massenmord an Untermenschen Cover
Label:
-
Erscheinungsjahr:
2006
Limitiert auf:
100 Stück
Kontaktadresse:
totale_vernichtung @hotmail.com

Es besteht Erklärungsbedarf, wenn man sich den Titel, welchen diese Kassette trägt, so anschaut. Da ich den Musiker bereits schon einige Jahre kenne und seine Gedanken sehr gut einzuschätzen weiß, kann ich nur all jenen, die hierbei mit politischem Schwachsinns-Black Metal rechnen, lügen Strafen. Da ich selbst alles andere als Verständnis für solche Denkweisen übrig habe, würde ich niemals Releases dieser Art in mein Archiv aufnehmen. Diese tiefe Ablehnung, die hier zum Ausdruck gebracht wird, richtet sich ausschließlich gegen das Christentum. So ist im Heftchen der Papst abgebildet, wie er ein Konzentrationslager betritt. Wer nun noch immer aufgrund gewisser Schlagwörter, die hier ohne Frage verwendet wurden, auf politische Musik schließt, dem kann ich nur ein Kopfschütteln entgegenbringen. Es ist ein unumstößlicher Fakt, dass sowohl die Musik als auch der Musiker dahinter frei von rassistischem, faschistischem, nationalsozialistischem und ähnlich dämlichem Gedankengut ist. Viel eher ist das Gegenteil der Fall.

Nun, wo diese heikle Angelegenheit hoffentlich geklärt werden konnte, kommt das Wesentliche dran. Die Aufmachung ist für eine Eigenproduktion alles andere als überragend, aber fraglos ausreichend. Die Textstellen, die ab und an durchblitzen, wirken in meinen Augen teils etwas aufgesetzt, beinahe ein klein wenig zum Schmunzeln anregend. Fraglos finde ich sie aber vor allem ein wenig übertrieben was das Extrem betrifft, aber da ist Totale Vernichtung bei weitem nicht das einzige Projekt, das von einer blutigen Befreiung des Christentums träumt. In diesem Fall ist es wegen des simplen Textverständnisses lediglich unkomplizierter für mich oder andere Deutschsprachige, diese zu verstehen.

Die instrumentale und stimmliche Seite wirkt im Gegensatz zum sonstigen Konzept sehr viel ausgereifter. Wenn man bedenkt, dass das Ganze vorm heimischen Rechner aufgenommen wurde, hat das Klanggewand einen sehr standesgemäßen Sound. Roh und wuchtig präsentiert sich selbiger. Die synthetischen Drums sind wie eigentlich immer eher suboptimal, klingen aber nicht zu künstlich und sind sowieso sehr hintergründig platziert, wenn die dominanten Gitarrenwälle ihre Stärke demonstrieren. Gerade diese Riffs sind das prägnanteste Charaktermerkmal, das "Massenmord an Untermenschen" mitbringt. Beim fünften und letzten Song, welcher knapp zehn Minuten das Trommelfell beschallt, kommen diese am besten zum Tragen. Mitreißend und entschlossen preschen jene durch das Lied und wissen den Hörer mitzureißen. Auch sonst gehen die Saiteninstrumente so forsch zu werke. Auch die oft recht gediegenen, fast schönen Gitarrensoli, die hier und dort auf der Kassette platziert wurden, wissen zu gefallen. Stimmlich missfällt mir abgesehen vom bereits angesprochenen Textverständnis, welches in wenigen Passagen ein wenig zu klar ist, nichts. Wunderbar hallend und offensiv wird das Mikrophon malträtiert, so muss das sein.

Nachdem die fragwürdige Einstellung, die manchen so vorschwebte, aus den Köpfen verbannt sein dürfte, sollte der Interessentenkreis wieder etwas verschoben worden sein. Bei Black Metal-Puristen sollte dieses Werk Interesse wecken. Da es sich hierbei um die, in meinen Augen, beste Veröffentlichung des inzwischen aufgelösten österreichischen Projektes handelt, sollte man vorzüglich auch jenes wählen. Die Limitierung wird den Meisten leider einen Strich durch die Rechnung machen. Wer hier aber noch ein Exemplar abgreift, dem sei gratuliert. Solang man sich nicht gerade erst seit gestern im Black Metal heimisch fühlt, wird man mit dem knapp halbstündigen "Massenmord an Untermenschen" höchstwahrscheinlich unterhaltsame Hörerlebnisse durchleben.

6,5/10

[Martin aka Pest, Berlin den 10.07.2007]