The One - Guardians Inhuman

The One - Guardians Inhuman Cover
Label:
Budget Funeral Records
Erscheinungsjahr:
2005
Limitiert auf:
500 Stück
Kontaktadresse:
budgetfuneral.cjb.net

Eigentlich ist es, wenn man mal etwas genauer darüber nachdenkt, schon verwunderlich, dass Griechenland so eine extrem große Black-Metal-Szene hat. Erstens, weil Südländer wohl allgemein - so denkt man zumindest - weniger Hang zu kalter Musik haben dürften und zum zweiten gehört diese Spielart in den umliegenden Ländern wohl weniger zu den absolut favorisierten Stilen. Noch weniger erschließt sich mir die dortige Popularität von nationalsozialistischen Tendenzen in diesem Bereich. Aber nun gut, besagten Schwachsinn muss ich zum Glück nicht großartig vertiefen, da The One lyrisch frei von jeglichen politischen Inhalten sind.

Schon mal vorweg nehmen möchte ich, dass "Guardians Inhuman" sehr interessant tönt. Mit der üblichen bzw. typischen Black-Metal-Kost hat das Album wenig gemein. Was natürlich nicht heißt, dass die Griechen dem Musikstil nicht vollwertig zugeordnet werden könnten. The One klingen so zerstörerisch, beschwörerisch und mystisch, wie es viele Formationen nicht einmal im Ansatz hinbekommen. Fangen wir mal mit dem Gesang an, der diabolischer kaum klingen könnte. Untypischerweise röchelt die Stimme eher tief, wurde aber mit einem schönen Hall unterlegt, wodurch die Musik gleich noch einen Tick boshafter wirkt. Das ist sicher der markanteste und am ehesten herausstechende Punkt an "Guardians Inhuman". Des Weiteren klingt die instrumentale Arbeit in Bildern gesprochen, besonders was den ersten Titel zum Teil betrifft, wie ein infernalischer Krieg. Meinetwegen hätte das Duo durchgehend in diesem Stile auftreten dürfen. Schade, dass dem nicht so ist, wenngleich auch die restlichen, beispielsweise ruhigeren oder rockigeren Passagen nicht schlecht sind, so hätte mir eine Atmosphäre im eben genannten Stile auf die volle Spielzeit gesehen sehr viel besser gefallen. So zieht "Guardians Inhuman" manchmal etwas an einem vorbei, ohne allerdings wirklich belanglos zu sein. Auch nicht ganz zufrieden bin ich mit dem Klang, der von Titel zu Titel etwas variiert. Das eine Mal klingt der Gesang etwas anders, dann ist das Schlagzeug plötzlich kaum herauszuhören und ein anderes Mal wirken die Gitarren im Gegensatz zum vorhergegangenen Stück viel zu saftlos. Auch, dass das erste Lied völlig abrupt verstummt, ist alles andere als professionell. So wirkt das Album letztendlich leider etwas unschlüssig und man weiß nicht zu hundert Prozent, was man von der Band konkret halten soll.

The One bilden auf jeden Fall einen interessanten Trupp, den man im Kopf behalten sollte. Es ist wirklich schade, dass man nicht etwas konsequenter mit dem eigenen Stil war und das Beste aus den Möglichkeiten herausgeholt hat. Allerdings handelt es sich bei "Guardians Inhuman" um ihre erste Veröffentlichung überhaupt, sodass man über solche Schönheitsmakel noch hinwegsehen darf. Inzwischen ist mehr Material erhältlich und ein weiteres Album über Total Holocaust Records, jedenfalls was die CD-Version betrifft, geplant. Es wäre wunderbar, wenn sich die Band in der Zwischenzeit stabilisiert hätte und uns zukünftig eine pechschwarze, okkulte Zerstörung bietet, wie sie auf "Guardians Inhuman" stellenweise schon durchzuscheinen vermochte.

6/10

[Martin aka Pest, Berlin den 30.04.2007]