Torch Of War/Weltenkampf - Bleak Winter Of War/Untersberg

Torch Of War/Weltenkampf - Bleak Winter Of War/Untersberg Cover
Label:
Heidens Hart
Erscheinungsjahr:
2005
Limitiert auf:
200 Stück
Kontaktadresse:
de.geocities.com/regnum

Bei beiden enthaltenen Projekten ist F. Nachzehrer involviert. Am ehesten bekannt durch seine Arbeit mit Regnum, dessen aktuell letzte Veröffentlichung bereits hier besprochen wurde. Ob wir von ihm auch hier ähnlich Großartiges erwarten dürfen, könnt ihr den folgenden Zeilen entehmen.

Wie so oft im Black Metal dient das Schlagzeug auch bei Torch Of War ausschließlich dazu, die Musik mit einer gewissen Dynamik und Monotonie auszustatten. Eigentlich wird hier konsequent in einfacher Manier gewerkelt. Das reicht allemal oder ist, treffender gesagt, nur förderlich. Die Gitarrenriffs ziehen es vor, im Hintergrund zu säuseln. Unterzugehen drohen diese aber zu keiner Zeit. Denn trotz der geringen Lautstärke des Saiteninstruments stechen die Töne stets messerscharf und mit einer gewissen Tragik direkt ins Herz. Ähnlich imponierend fällt der Gesang aus. Weit entfernt davon menschlich zu sein, wirkt er im Einklang mit dem Restlichen wie ein unverzichtbares, nicht wegzudenkendes Element. Ganz allgemein kann man hier nicht mehr einfach von Musik, sondern muss viel mehr von orgiastischem Seelenkino sprechen. Die Umgebung wird während des Lauschens gern in ein tristes und beinahe schwärzliches Grau getaucht. Zwar geht es hier offenbar allein um das Thema des Krieges, nur wirkt "Bleak Winter Of War" beim Hören um einiges tiefsinniger, als man vielleicht annehmen mag. Beim ersten Lied namens "War Is The Father Of All Things" handelt es sich im Übrigen sehr wahrscheinlich um ein Nietzsche-Zitat, womit ich in meinem Gefühl nur bestärkt werde. Imminente, blinde Zerstörung trifft auf eine gewisse Melancholie. Das klingt letztendlich so mitreißend, dass es mir fast unheimlich vorkommt.

In eine völlig andere Kerbe schlägt Weltenkampf, welches genauso wie das vorherige Projekt und all seine weiteren im völligen Alleingang betrieben wird. Um Black Metal handelt es sich hierbei nicht wirklich. Dafür ist es sehr interessante Musik, die an einem zehrt. Was aber etwas negativ ins Gewicht fällt, ist die Unkonstanz, die das Material offenbart. Na ja, vielleicht ist es das falsche Wort. Jedenfalls wirkt mir das Material zu verschiedenen, als dass ich hier irgendeinen offensichtlichen Zusammenhang herstellen könnte. Einige Stücke klingen nach düsterer, verzerrter Ambient-Musik, die anderen eher noise-artig, manche kombinieren beides und andere klingen plötzlich wieder ganz anders. Eine Gitarre wird aber trotzdem manches Mal verwendet. Das ist die eine Seite von Weltenkampf, die mir nicht sonderlich behagt. Allerdings wirkt es immerhin reichlich gestört. Die andere spricht mich schon viel eher an. Hierbei wird sehr langsame, extrem dunkle Musik zelebriert. Begleitet wird dieses zugegeben - betrachtet man ganz nüchtern die instrumentale Ebene - sehr belanglose Material, durch stimmige Synthesizer-Klangwälle, monotone Saitenspiele und gesprochenen Gesang. Weltenkampf lebt also allein von der Atmosphäre, und das genügt. "Die Herren vom schwarzen Stein", "Untergang" sowie die beiden Teile von "Worte der Sajaha" sind in diesem Stile. Erstgenannter klingt am bedrückendsten. Textlich wirken jene Titel zudem sehr interessant, abgedruckt wurde das Lyrische aber leider nirgends. Schade, dass nicht mehr Musik in dieser Art vertreten ist. Die restlichen Stücke vermögen mich wie erwähnt nicht zu verzaubern. Dennoch, alles in allem eine äußerst interessante Vorstellung.

Bei Weltenkampf gibt es wie erwähnt einige Durststrecken, und die verhindern eine höhere Wertung sowie einen noch euphorischeren Schreiberling. Trotzdem habe ich es hier mit einer der mächtigsten Split-Tapes zu tun, die jemals mein Hirn vergewaltigten. Zwei kontrastreiche Bands und zwei Mal wunderbarste Untergangsstimmung - F. Nachzehrer hat einmal mehr erfolgreich zugeschlagen.

7,5/10

[Martin aka Pest, Berlin den 06.08.2007]