Kilte/Funeral Mourning - Emission Through Self Infliction

Kilte/Funeral Mourning - Emission Through Self Infliction Cover
Label:
Choirs Of Delusion
Erscheinungsjahr:
2007
Limitiert auf:
300 Stück
Kontaktadresse:
choirsofdelusion.net

Das belgische Quartett Kilte ist als erstes am Zuge, ihre hoffnungslose Botschaft zu verbreiten. Dies schaffen sie äußerst gut, denn selten habe ich zwei Titel so oft am Stück gehört, wie es hier der Fall war, beziehungsweise gar noch ist. Beide Stücke sind relativ lang, dauern gemeinsam nämliche gute siebzehn Minuten an. Dabei gefällt mir sehr, dass nicht nur auf atmosphärische Tiefe, sondern auch sehr stark auf einen intelligenten Songaufbau geschaut wurde. Die Lieder sind interessant gestrickt und belassen den Hörer nie allzu lange in einer bestimmten erdachten Sphäre. Ich persönlich fühle mich immer wieder ekstatisch hin und hergerissen. Absolut kein lahmer Standardkram also, der hier abgeliefert wird. Auch klanglich lässt sich der Beitrag zu "Emission Through Self Infliction" als tadellos beschreiben. Sehr dichte, kühle Riffwände und ebenfalls dichtes Schlagzeugspiel verstärken die tiefgehende Wirkung noch weiter. Als verbesserungswürdig empfinde ich die Stimme, die etwas eigenständiger oder zumindest ein wenig facettenreicher hätte daherkommen dürfen. Die wenig abgefahrene, aber wunderbar dezente Einstreuung der Akustik-Parts ist ebenfalls ein weiteres positives Kriterium.

Falls Ihr mit den ersten beiden Kilte-Releases "I" und "Absence" aufgrund der monotonen Spielweise nicht warm wurdet, solltet Ihr diesen Beitrag zumindest mal gehört haben, da uns Kilte hier sehr viel mehr Ecken und Kanten, aber auch mehr Tiefgang demonstrieren.

Hatte Kilte zuvor noch eine gewisse musikalische Kraft offeriert, fällt der Hörer bei Funeral Mourning wahrscheinlich in eine tiefe Depression, mindestens aber in eine Lethargie, möchte ich behaupten. Da es sich hierbei um geschwärzten Doom Metal handelt, darf man eine deutliche Drosselung zum Kilte-Material erwarten.

Was bei mir sofort Assoziationen weckt, sind die alptraumhaften Keys, denn unweigerlich schießt mir der Bandname Xasthur in den Kopf. Eine sehr surreale Atmosphäre aus unidentifizierbarem Grau und Schwarz ist das einzige, was ich bei Funeral Mourning deutlich und durchgehend fühlen kann. Endzeitlich, irgendwie tot, aber doch voller Leben. Sehr viel verschwommene Gedanken und Bilder dieser Art ziehen während des Hörens vorm inneren Auge vorbei. Wirklich starkes Kopfkino, ermöglicht durch die tristen Klänge dieses australischen Typen.

Eine wenig lichtreiche Offenbarung, was sich natürlich nur auf die Wirkung bezieht. Wahrlich ein starkes Stück Black und Doom Metal, das prinzipiell in keiner Sammlung fehlen sollte, auch wenn es aufgrund der mangelnden Exemplare quantitativ schon mal gar nicht möglich wäre.

8/10

[Martin aka Pest, Berlin den 30.09.2008]