Austere/Lyrinx - Only The Wind Remembers/Ending The Circle Of Life

Austere, Lyrinx - Only The Wind Remembers, Ending The Circle Of Life Cover
Label:
Choirs Of Delusion
Erscheinungsjahr:
2008
Limitiert auf:
500 Stück
Kontaktadresse:
choirsofdelusion.net

Choirs Of Delusion serviert uns mit diesem Split-Tape der Australier Austere und den Briten Lyrinx ein weiteres Exemplar lebensmüder Klangwelten. Waren mir Lyrinx mit ihrer beeindruckend guten MCD "Nihilistic Purity" bereits ein Begriff, so kannte ich Austere zuvor nur namentlich. Zum Glück ist das musizierende Duo nicht komplett an mir vorbeigegangen. Alles Wesentliche über sie und über die allgemeine Klasse dieser Kassette könnt ihr in den nächsten Abschnitten nachlesen.

Die Australier übernehmen mit ihren zwei Liedern den ersten von zwei auszufüllenden Parts. Gefasst machen und freuen darf man sich auf fünfundzwanzig Minuten feinster Elegie. Die Wirkung dieser beiden Stücke ist in diesem Bereich selten so intensiv, so authentisch und deshalb auch so mitreißend gewesen. Dabei kann ich nicht einmal glasklar herausfiltern, woran das wohl liegen mag. Denn sehr viel weniger monotone oder mehr individuelle Spielweise wird hier letztlich nicht wirklich an den Tag gelegt. Was ich aber mit Sicherheit herausheben kann, ist das tolle Arrangement beider Stücke. Manches Liedgut wird bei zu einseitigem Songwriting doch sehr schnell fade. Bei Austere kann ich das zu keiner Zeit behaupten, weil die Lieder zwar wie aus einem Guss wirken, trotzdem aber in sich immer wieder gekonnt Tempo und Kraft wechseln. Auch die Aufnahme ist soundtechnisch einwandfrei gelungen und somit geht "Only The Wind Remembers" - welche es übrigens auch als einzeln zu erwerbende MCD zu erstehen gibt - runter wie Öl. Was außerdem auch noch daran liegen mag, dass Austere mit Stil zu Werke gehen und das Hirn des Hörers nicht unter einer Vielzahl aufgesetzter Schreie begraben.

Wie oben schon erwähnt, kannte ich bereits Material von Lyrinx, bevor ich diese Kassette zum ersten Mal anhörte. Was mich an ihrem Stil vorher besonders begeisterte, war der Wiedererkennungswert, den sie ausstrahlten. Sowohl der Klang der Aufnahme einschließlich verzweifeltem Gesang als auch in kleinen Teilen die Spielweise der Briten konnten schon einen ziemlich eigenen Touch aufweisen. Und in der Tat, als Lyrinx ertönten, konnte ich jene sofort zuordnen, was in diesem Genre beinahe einer Monopolstellung gleicht. Zwar sind die fünfunddreißig Minuten ihres Beitrages namens "Ending The Circle Of Life" nicht ganz so umgarnend wie es bereits bei Austere der Fall war, dafür aber noch ein wenig hoffnungsloser.

Welcher Beitrag nun der bessere ist, sollte man selbst entscheiden. Mir gehen beide ziemlich tief unter die Haut und da die Stilistiken trotz gleichem Genre durchaus unterschiedlich einzuordnen sind, erwartet euch nicht nur ein emotionales, sondern auch abwechslungsreiches Hörerlebnis.

Musik für den anstehenden Winter. Für Tage, an dem das endlose Grau und die eigene Lethargie erdrückend scheinen. An Tagen, an denen man den Weg nicht aus dem Hause findet, an dem man Menschen meidet. Dabei aber immer aber den Gedanken führend, nicht alleine zu sein.

8/10

[Martin aka Pest, Berlin den 23.11.2008]