Scorn - The Midnight Funeral

Scorn - The Midnight Funeral Cover
Label:
Drakkar Productions
Erscheinungsjahr:
2007
Limitiert auf:
keine Angabe
Kontaktadresse:
geocities.com/scorn.html

Es grenzt ja beinahe an ein Wunder, dass es bis vor kurzem noch keine einzige Metal-Band auf dem Planeten Erde gab, welche auf den simplen Namen "Scorn" hörte. Erst vor ungefähr einem Jahr wurde diese Lücke von diesem amerikanischen Dreigestirn gestopft. Inzwischen hat das Trio ihr erstes Demo auf den Markt gebracht, dessen Produktion das Kultlabel Drakkar Productions aus Frankreich übernahm.

Ein wenig wundern tu ich mich über das leicht moderne Cover, welches zwei Personen, höchstwahrscheinlich die Musiker selbst, zeigt. Beide starren - einer stehend, der andere auf einer Bank sitzend - über einen Fluss, auf dessen anderer Seite eine Stadt zu sehen ist. Was das in etwa ausdrücken soll, liegt eigentlich einigermaßen nahe, nur wirkt das Bild einschließlich der Bearbeitung mit diversen Effekten reichlich merkwürdig und lässt ohne Hintergrundwissen weniger auf ein Black-Metal-Release schließen.

Nun gut, alles nebensächlich soweit. Die Musik hingegen spricht klare Worte. Mit Burzum-artigen Klagelauten, einem wilden Schlagzeug und sehr interessantem Gitarrenspiel wissen mir Scorn zu imponieren. Ganz besonders auf letzterem Gesichtspunkt liegt der Hauptreiz bei "The Midnight Funeral". Die drei Amis kopieren nicht blind drauf los oder schreiben ein weiteres einfaches Black-Metal-Riff, nein. Die Leute dahinter haben sich definitiv Gedanken gemacht. So herauszuhören ganz besonders beim dritten Titel hörend auf "Derutrot". Jener beginnt mit einem Gitarrenlauf, der beinahe leicht orientalisch anmutet, wenngleich nie klare Parallelen dahingehend gezogen werden können. Im Mittelteil wird kurzzeitig von einem himmelhochjauchzend quietschendem Saitenspiel Gebrauch gemacht, welches enorm gut und vor allem eigenständig klingt. Ähnlich interessante und unverbrauchte Gitarrenfahrten finden sich auch hier und dort in den anderen Stücken, sodass es wirklich Spaß bereitet, sich mit "The Midnight Funeral" intensiv zu beschäftigen. Am besten gefällt mir ihre Musik in den melancholischeren Passagen, denn dort kommt auch die Riffvielfalt am ehesten zum Tragen. In den schnellen Abschnitten hingegen verliert sich der eigene Charme leider häufig im absoluten Standard.

Es ist nur schade, dass die Band nicht mehr aus ihrem Ideenreichtum ziehen konnte, denn zwischenzeitlich klingt man nicht selten wie eine gut gemachte Huldigung an Truppen wie Burzum oder Forgotten Woods. Wahrlich ist das nicht verkehrt, aber es ist in diesen Momenten einfach nichts Großartiges mehr. Es wäre wahnsinnig toll, wenn die drei zukünftig noch mehr von ihren eigenartigen Melodien unters Volk bringen könnten, ohne dabei gleichzeitig wieder von dem Schema abzuweichen. Mehr Innovation und Einfallsreichtum kann selbst das Black-Metal-Genre das eine oder andere Mal verkraften oder besser gesagt, gebrauchen.

6,5/10

[Martin aka Pest, Berlin den 10.06.2007]