Nachtruf - Schattengeister

Nachtruf - Schattengeister Cover
Label:
Black Devastation Records
Erscheinungsjahr:
2007
Limitiert auf:
200 Stück
Kontaktadresse:
nachtruf.at.tf

Österreich und guter Black Metal - das passt nur sehr selten zusammen. Zu solchen Ausnahmen sind inzwischen zweifelsohne Nachtruf zu zählen, die mich bereits mit ihrem ersten Demo nachhaltig beeindruckten. Zurückblickend hatte diese erste Veröffentlichung neben der bezaubernden Atmosphäre aber Schwächen offenbart. Beispielsweise wirkte das Schlagzeug manches Mal nicht ganz so exakt, wie es hätte sein sollen und auch der Klang im Allgemeinen war noch nicht wirklich ausgereift. Dennoch, ein so ausgezeichnetes erstes Werk bekommt man selten serviert. Seit Juli diesen Jahres ist nun eine weitere Kassette erhältlich. "Schattengeister" nennt sich dieses zweite Lebenszeichen, welches im Gegensatz zum eigen produzierten Vorgänger über Black Devastation Records erschien. Wie für das noch junge Label von Odal-Musiker Taaken typisch, glänzen die Kassettenveröffentlichungen mit hochwertigem, rauen Inlay und glitzernd schimmernden Silber-Tönen. Trotz dessen wirkt das Ganze noch immer sehr dezent und stilvoll.

Die genannten Schwächen vom ersten Demo-Tape "Eine einsame Winternacht" wurden eigentlich gänzlich ausgemerzt. Schlussfolgernd hieße dies doch nun, dass "Schattengeister" ein nahezu perfektes Black-Metal-Release sei, doch dem ist leider nicht ganz so. Insgesamt fehlt mir hier etwas diese umgarnend winterliche Atmosphäre, wie sie noch auf dem Vorgänger rübergebracht wurde. Jenes Tonband klang etwas unbekümmerter. "Schattengeister" hingegen wirkt weitestgehend erwachsener, mystischer und interessanter - dennoch übertrifft es den Erstling nicht zwingend, aber das sollte jeder für sich selbst entscheiden. So oder so ist das zweite musikalische Lebenszeichen ein qualitativ enorm ausgereiftes Stück Black Metal. Schon allein die gefühlsmäßig umwerfende Gitarrenarbeit im ersten Lied namens "Vadatajs" - wo eine Gänsehaut die nächste jagt - rechtfertigt die Investition von weniger als fünf Euronen. Einzig und allein der klare Gesang in jenem Stück könnte für ein wenig Verwunderung sorgen. Dieser klingt eigenständig und nicht unbedingt fehl am Platze, aber gewöhnungsbedürftig allemal. Durchgehend wahrzunehmen ist hingegen die ungemein düstere und leicht mystische Note, die das gesamte Werk gekonnt durchzieht. Ein weiterer angenehmer Aspekt der Musik Nachtrufs ist die zeitweise Verwendung von Akustikgitarren, die trotz des sonst eher tobend rohen Drumherums eine passende Figur abgeben.

Wem der Black Metal in klassischer Manier am ehesten mundet, zudem aber keine seelenlose Kopien benötigt, sollte Nachtruf unbedingt einmal sein Gehör schenken. Die Band ist noch jung und wird musikalisch zukünftig mit Sicherheit noch für Furore sorgen.

8/10

[Martin aka Pest, Berlin den 06.09.2007]