Enshrined - Promo '07

Enshrined - Promo '07 Cover
Label:
-
Erscheinungsjahr:
2007
Limitiert auf:
20 Stück
Kontaktadresse:
-

Limitiert auf zwanzig Stück? Ja, richtig gelesen. Das Teil wurde in Form einer CD-R und als Tape verschenkt, allerdings nur an Freunde und Bekannte. Nun, was schließt man daraus? Genau, auch ich zähle zu diesem eben eingegrenzten Personenkreis. Jetzt wird man mir sicher Befangenheit unterstellen. Ich rede mir jetzt aber einfach mal ein, dass ich gar keine Freunde habe, abgesehen von meinem kleinen Magazin hier. Jenes möchte ich natürlich nicht belügen und so schreite ich völlig unvoreingenommen zur Tat.

Nach cirka einem Jahr des Bestehens wird mir nun dieses Promo-Tape serviert. Enthalten sind vier Stücke, die aber insgesamt mehr als eine halbe Stunde andauern. Das klingt doch schon mal sehr ordentlich. Enshrined ist übrigens ein Projekt, das weniger durch musikalische Fertigkeiten, durch Ideen und Abwechslungsreichtum besticht, sondern auf beinahe ganzer Linie auf hypnotische Atmosphäre setzt. Kalt ist es, sehr kalt, während die vier Stücke laufen. Auch ein tagtraumartiges Gefühl kann man dem Ganzen beim Lauschen nicht absprechen. Neben einigen Ambient-Passagen, die insgesamt fast die Hälfte des Platzes auf dem Tonband einnehmen, werden sonst eisig-kristallene Black-Metal-Klänge geboten. Der erste Titel, der beinahe zehn Minuten Spiellänge aufweist, besteht vordergründig aus einer Riffwand, welche wohl kaum dichter, kühler und entschlossener tönen könnte. Selbige prescht völlig überraschend los, braust minutenlang relativ unverändert - wie ein Schneesturm anmutend - durch den Song und stoppt genauso abrupt, wie er begann. Das synthetische Schlagzeug tritt in diesem Stück meilenweit in den Hintergrund. Stilistisch erinnert es ein klein wenig an das heiß begehrte Paysage-d'Hiver-Material. Gesang fehlt hier gänzlich. Eine sehr interessante Darbietung, die einmal mehr aufzeigt, wie einfach aber doch überwältigend diese Musikrichtung zu gleicher Zeit klingen kann. Dies wäre aber kein Promo-Output, wenn man nicht noch etwas tiefer in das Schaffen des Herrn A. blicken dürfte. Das folgende Lied klingt nämlich schon etwas anders. Morbider Gesang gepaart mit präsenterem Drum-Computer als im ersten Stück und eigenwilligen, teilweise leicht dissonanten Melodien. Klingt auch kalt, klingt auch ansprechend, bleibt insgesamt aber trotzdem hinter dem ungemein geradlinigen Opener zurück. Die verbleibenden zwei Stücke ähneln den eben beschriebenen in ihrer Machart. Das dritte dem ersten, das vierte dem zweiten. Insgesamt sind alle Stücke auf ihre Weise ansprechend und haben vor allem einen eigenen Touch, der Enshrined nicht zu irgendeiner Band unter vielen verkommen lässt.

Ob die vier Stücke auch auf späteren, weniger stark begrenzten Veröffentlichungen vertreten sein werden, weiß ich nicht. Davon ausgehen darf man aber. Die Qualität ist gut und es wäre eine Verschwendung, das hier gebotene Material nur zwanzig Personen zugänglich gemacht zu haben. Falls Ihr dort draußen also eine Schwäche für besonders monotone, kalte und atmosphärische Musik habt, behaltet Enshrined im Auge. Da kommt etwas Interessantes auf uns zu. Seid Ihr aber ausschließlich geil auf den Satansknüppel, dann Finger weg! So, und ab jetzt habe ich offiziell auch wieder Freunde aus Fleisch und Blut.

7/10

[Martin aka Pest, Berlin den 14.08.2007]