Circle Of Ouroborus - Shores

Circle Of Ouroborus - Shores Cover
Label:
Heidens Hart
Erscheinungsjahr:
2007
Limitiert auf:
500 Stück
Kontaktadresse:
go.to/heidenshart

Ein wenig konsterniert war ich anfangs schon, was die Musik der beiden Finnen betrifft. Das ist vielleicht sogar noch untertrieben ausgedrückt, denn was Circle Of Ouroborus in musikalischer Form verkörpern, ist meines Wissens nach bisher kaum bis gar nicht da gewesen. Im Ansatz vergleichbare Formationen oder Genres gibt es jedoch. Da wären, vor allem was das Stimmliche betrifft, Urfaust aus Holland zu nennen. Aber auch klitzekleine Post-Rock-Anleihen sind nicht von der Hand zu weisen. Somit ist schon mal grob umrissen, was einen erwartet.

Was mich anfangs schmunzeln ließ, war das Cover, welches für die Kassetten-Version im Vergleich zur CD-Variante geändert wurde. Jenes zeigt einen weitläufigen Sandstrand, welcher sonst nichts weiter offenbart, abgesehen von etwas einzigem: Zu sehen ist nämlich ein schwarzer Vogel, welcher kopfüber im Sand steckt. Scheinbar schoss dieser im Sturzflug unmittelbar auf das Terrain zu, ohne auch nur ansatzweise zurückzustecken. Zugegeben, dieser Anblick ist wahrlich sonderbar und sorgt bestimmt nicht nur in meinem Hirn für Konfusion. Dafür passt dieses witzige visuelle Erlebnis hervorragend zur Musik der Finnen, welche ebenso für runzelnde Stirnen sorgen könnte. Das ganze Album bewegt sich von Beginn bis Ende im mittelschnellen, leicht schleppenden Tempo und variiert niemals erwähnenswert. Gänsehautriffs oder furiose - wenngleich auch arg lässige - Schlagzeugarbeit gibt es hier in keiner Weise. Aber ich denke, dass diese doch recht unspektakuläre Instrumentalarbeit genau so ausfallen sollte. Denn beim Hören von "Shores" wird man nicht selten etwas lethargisch, als schalte sich das Gehirn zum Teil ab. Hauptgrund für diesen Geisteszustand ist aber noch vor den bereits genannten Aspekten die Stimme. Jene ist klar gesprochen worden, singen kann man dies meines Erachtens nach jedenfalls nicht mehr nennen. Des Weiteren klingt diese etwas schräg und wurde mit einem zuweilen sehr starken Echo modifiziert. Damit wird ein Gefühl der Passivität und des Desinteresses gegenüber allem erzeugt. Dadurch wird man im Schädel einfach irgendwie taub und weich, und mich würde es kaum wundern, wenn dem einen oder anderen Hörer der Geifer aus dem offenen, starren Mund liefe, während er regungslos den Klängen von "Shores" lauscht.

Was man davon nun halten soll? Schwer zu sagen. Wahrscheinlich ist Circle Of Ouroborus eines der ganzen wenigen Projekte, bei denen geschmacklich keine Mitte erkennbar ist. Entweder man liebt, oder man hasst es. Bei mir ist das stark stimmungsabhängig. Oft ist "Shores" einfach nur anstrengend und wird nach sehr kurzer Zeit schon wieder zurückgespult und ins Regel gestellt. Wenn "Shores" stimmungsmäßig allerdings passt, dann ist diese groteske Atmosphäre so verstörend, dass es eine wahre Freude ist. Die Selektion des Zeitpunktes ist also von enormer Wichtigkeit, um "Shores" anfänglich nicht als völligen Mist abzustempeln.

6/10

[Martin aka Pest, Berlin den 28.04.2007]