Black Autumn - Isolation

Black Autumn - Isolation Cover
Label:
Kassetten Edition Dreizack
Erscheinungsjahr:
2006
Limitiert auf:
166 Stück
Kontaktadresse:
blackautumn.de.vu

Zwar halte ich nicht allzu viel von zu künstlich produziertem Black Metal, allerdings ist dies bei Black Autumn ganz anders. Erst ärgerte ich mich, als ich im Nachhinein sah, dass es sich bei "Isolation" um so genannten "Industrial Black Metal" handelte. Dann aber, als ich die Kassette nach Erhalt mehr oder weniger widerwillig im dunklen Zimmer einlegte, war ich schlichtweg begeistert. Aber alles zu seiner Zeit. Man schaue sich zuerst einmal das Cover an: Darauf zu sehen ist lediglich ein stinknormales Wohnhaus in der Nacht, welches hier und dort von Schatten verdunkelt wird. Das machte mich zuallererst eigentlich nur noch skeptischer. Aber wenn "Isolation" dann läuft, passt plötzlich alles wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Alles beginnt mit einer düsteren, verwaschenen Klaviermelodie und einem kurz darauf zusätzlich einsetzenden Frauengesang. Zwar ist dies sicher alles andere als typisch für Black Metal, dennoch ist diese Einführung schlichtweg passend. Denn sofort fühlt man sich in jenem einfachen und tristen Wohnhaus wieder, welches das Cover ziert. Einsam in seiner kleinen, bürgerlichen Wohnung. Ohne Licht, sehnsüchtig herausschauend auf die Sterne, starrend und rührungslos. Ja, genau das ist es, was "Isolation" bei mir bewirkt. Der Titel des Demos ist Programm, und selten habe ich einen treffenderen vorgefunden. Anders als eine Art Drogentrip kann ich das Geschehen gar nicht beschreiben. Die hypnotisierenden und gleichzeitig krankhaften, beinahe angsteinflößenden Klänge, welche synthetischerweise erschaffen wurden, machen einen beinahe verrückt. Jedenfalls empfinde ich es so. Trotzdem fühle ich mich nie genötigt, die Anlage abrupt auszuschalten. Diese gestörte Atmosphäre ist definitiv etwas sehr Interessantes, das mir in der Form ehrlich gesagt noch nie untergekommen ist. Beinahe fühlt man sich ohnmächtig. Ich für meinen Teil kann beim Hören von "Isolation" jedenfalls kaum klare Gedanken fassen.

Eine Gitarre wird neben diversen synthetischen Klängen natürlich ebenfalls öfter verwendet. Das Schlagzeug hingegen ist künstlich programmiert worden. Die Stimme präsentiert sich nicht wie üblich kreischend, sondern in der Regel klar und mit rauem Unterton gesprochen. Auch das trägt dazu bei, dass "Isolation" so unheimlich wirkt. Es empfiehlt sich übrigens, die Kassette eher zu dunkleren Tageszeiten und bei nicht allzu euphorischer Laune anzuhören, damit das Potenzial voll ausgereizt werden kann.

Manche würden die Musik des Deutschen vielleicht sogar als düstere Elektromusik mit etwas Black-Metal-Einfluss ansehen als andersherum. Falls man nur handgemachten Black Metal hört oder einem schon der minimale Gebrauch von Synthesizermelodien unangenehm aufstößt, so kann ich denjenigen nur raten, einen ganz weiten Bogen um "Isolation" zu machen. Auch wenn diese möglicherweise etwas verpassen. Das völlig monotone und kaputte Ambiente, das hier erschaffen wurde, wird nämlich oft erst durch synthetische Klänge erzeugt. Falls man aber damit leben kann oder diese Tatsache gar interessant findet, so greife man hier sofort zu.

Selten waren der Abgrund und die eigene Apathie spürbarer, selten war etwas so berauschend und gleichzeitig verstörend - Zumindest auf überwiegend elektronischer Basis. Ein hochinteressantes Werk eines völlig andersartigen Musikers, den es sich zu merken gilt.

7/10

[Martin aka Pest, Berlin den 16.01.2007]