Aufgrund der Aktualität möchte ich einmal kurz auf Dein aktuelles Album "Galgenfrist" zu sprechen kommen. Jenes ist ein wenig anders aufgezogen als dein vorheriges Material und ist neben der bekannt dröhnenden Monotonie ein wenig ambient-lastiger. Insgesamt entsteht durchgehend ein düsteres und vor allem mystisches Klangbild. Wie kam es denn zu dieser kleinen Weiterentwicklung?


Ich denke, dass bereits die eher rar gesäten Ambient-Passagen von "Ligfærd" wirklich stimmungsvoll waren, deshalb wollte ich diese Schiene auf meinem neuesten Werk noch weiter erforschen und ausbauen. Ich hatte bei "Galgenfrist" das Vergnügen, die bereits guten Stilmittel der Vorgänger zu veredeln. Ich denke, dass die Machart des neuen Albums die logische Konsequenz meines bisherigen Schaffens bedeutet.


So düstere Musik, wie man sie bei Dir zu hören bekommt, ist mir bisher, denke ich, noch nie ein zweites Mal untergekommen. Funeral Doom ist ja nichts Seltenes, aber in Kombination mit Black Metal und in solch atemberaubender Atmosphäre verpackt - das ist ja fast einzigartig. Kannst Du Dir erklären, warum du da bisher beinahe eine Monopol-Stellung einnimmst?


Wie du schon richtig sagtest, ist Funeral Doom inzwischen in der Tat keine Rarität mehr, ebenso wenig die tempomäßig gediegene Variante des Black Metal. Wenn man aber Funeral Doom mit der Black-Metal-Metaphorik ausschmückt, so wird man vielleicht den Weg zu dem Bollwerk finden, das Nortt ist. Viele neue Bands sind oft bestimmt nur verärgert und frustriert, dass man sie von vornherein in irgendeine Sparte steckt.


Gab es zufällig einen Grund dafür, dass jegliche Veröffentlichungen vor dem Erscheinen des zweiten Albums "Ligfærd" diesen immergleichen Grünstich auf den Covers aufwiesen? Oder diente das lediglich der Wiedererkennung deiner Werke?


Der Grünton auf der der "Gudsforladt" war von mir aus fraglos so gewollt, "Graven" hingegen, welches über Total Holocaust Records erschien, war in der Hinsicht ein Versehen. Jener grüne Farbton wurde nachträglich in der Druckerei aus einem mir unerfindlichen Grund hinzugefügt. Ein gewollter optischer Zusammenhang bestand zwischen den beiden Veröffentlichungen also nicht.


Da Deine Lieder einen immer wieder aufs Neue in unterschiedlichste Welten der Düsternis eintauchen lassen, interessiert mich sehr, woher Du Deine Inspirationen bekommst. Schlenderst Du bei Nacht durch Wälder und über Friedhöfe oder schaust Du Dir missgünstig das Treiben der Menschen in Städten an, um all Deine apokalyptischen Fantasien auf den Punkt zu fixieren?


Eher ersterer Punkt. Ich verbringe viel Zeit damit, durch Wälder zu wandern, was inspirierend für mich ist. Auf Friedhöfen treibe ich mich auch manches Mal rum, das aber seltener. Ich versuche Städte so gut es geht zu meiden. Wenn ich aber doch mal in diese städtische Hölle gerate, so wünsche ich jeglichen Bewohnern den Tod. Einsamkeit ist meine einzig sinnhafte Zufluchtsstätte.


Konsumierst Du eigentlich bewusstseinserweiternde Drogen? Egal in welcher Form, ob natürlich oder synthetisch; und welche Erfahrungen hast du dabei gesammelt?


Nein, in keiner Weise. Ich habe nicht den Drang, mein Seele zu zerstören. Hin und wieder bin ich aber mal betrunken, kommt auf den Anlass an. Etwas anderes als Alkohol nehme ich in der Kategorie aber nicht zu mir. Mit der Zeit hat mein Wunsch nach Rauschzuständen zunehmend abgenommen. Ich werde langsam alt und satt, und das ist auch gut so…


Wie Deiner Musik zu entnehmen ist, besitzt Du ein reichlich finsteres Gemüt. Bist Du überwiegend depressiv und schlecht gelaunt, oder findest Du das Hoffnungslose gar ästhetisch und erlebenswert?


Meine generelle Laune lässt sich insgesamt gesehen als recht heiter zusammenfassen. Ich wurde bisher eigentlich kaum wirklich depressiv, dann schon eher mürrisch oder gestresst. Die Heiterkeit hat aber wie gesagt Überhand. Ich mache und höre traurige Musik, weil sie mich berührt. Genauso sieht es mit Filmen oder Büchern aus, es sollte düster gehalten sein - den Tod, den Schmerz beschreibend als etwas Ästhetisches, ja.


Hast Du einen Lieblings-Philosophen, der Dir auf deinem bisherigen Lebensweg etwas beibringen konnte oder dich in irgendeiner Weise fasziniert hat?


Nein, da kann ich keinen großen Einzelnen nennen. Nietzsche, Kierkegaard und wohl auch Sartre waren die, bei denen ich das meiste Vergnügen während des Lesens in mir spürte. Seit Kurzem beschäftige ich mich sogar mit alter, kirchlicher Literatur. Alte theologische Diskussionen, Entscheidungen usw. finde ich recht interessant.


Bist Du persönlich der Meinung, dass der Mensch eine Spezies ist, die es zu erhalten oder zu vernichten gilt? Der Mensch erschafft ja viel, ist womöglich das intelligenteste Wesen im Universum, wenn es nach mir ginge. Auch wenn das wissenschaftlich nicht einmal belegt werden kann. Dennoch kann man ihm durchaus genügend Dummheit unterstellen, um sich selbst als Ganzes zu vernichten. In welchem Licht siehst du die Spezies Mensch?


Wie schon indirekt in den vorherigen Fragen angedeutet, beschäftige ich mich mit Arbeiten der Humanwissenschaft und spreche den Menschen natürlich eine hohe Intelligenz zu. Dennoch, inzwischen ziehe ich dem Menschen einen dummen Hund ganz klar vor. Ich hasse die menschliche Rasse und hoffe auf ihren Niedergang. Das Gefühl der Misanthropie ist auf rationalem Wege schwer zu erklären, aber es ist mein dringlichster Wunsch, dass die Menschen verschwinden.


Was denkst Du, was nach Deinem Tod mit Deinem Geist passieren wird? Wie stehst Du zu den Theorien rund um Wiedergeburten, Himmel und Hölle, körperloses Herumspuken und Ähnliches? Erwartet uns Deiner Meinung nach das grenzenlose Nichts, oder bist Du der Meinung, dass danach durchaus noch etwas Sinngebendes passieren könnte?


Ich glaube schon irgendwie an metaphysische Existenzen und uns unbekannte Energien, wo auch immer ihr Ursprung liegt und welch Form sie auch immer annehmen mögen. Was das Leben nach dem Tode betrifft, denke ich, dass zumindest die vernünftigste Erklärung die ist, dass wir nach dem Ableben auf geistiger Ebene aufhören zu existieren, um nur als biologischer Organismus weiterzuleben. Natürlich weiß das letztendlich keiner und mehr als Spekulationen kann auch ich nicht äußern. Immerhin ist uns niemand bekannt, der uns darüber berichten könnte. Für uns lebende Sterbliche wird das Ganze immer ein interessantes Mysterium bleiben.


Du hast vor einiger Zeit einen Split mit Xasthur gemacht. Kennst Du den Kerl dahinter seitdem eigentlich näher und magst uns nebenbei noch etwas über ihn erzählen?


Die Idee dazu hatte Håkan von Total Holocaust Records. Vorher hatte er sowohl von ihm als auch von mir Musik veröffentlicht, so kam die Verbindung schnell zustande. Ich lehnte natürlich nicht ab. Ich würde nun aber nicht behaupten, Malefic gut zu kennen. Wir haben uns nur sehr spärlich ausgetauscht und haben uns einmal getroffen. Da gibt's leider nicht viel zu erzählen. Er wirkt recht bodenständig. Der Typ ist ziemlich groß und trinkt absolut kein Bier, der alte Ketzer!


Machst Du auch noch andere Musik oder könntest Dir vorstellen, neben Nortt in Zukunft auch noch andere Musikprojekte zu betreiben? Und kannst Du Dich privat neben Black und Doom Metal auch für andere Stile, meinetwegen auch außerhalb der Gitarrenmusik, begeistern?


Natürlich kann ich mir vorstellen, neben Nortt auch andere Musik zu veröffentlichen, aber eher erst, wenn ich das Projekt Nortt zu den Akten gelegt habe. Die Zeit wird's zeigen. Ansonsten muss ich sagen, abgesehen vom Metal kaum andere Musik zu hören. Ich hab's mal versucht, aber dabei kam nicht viel raus. Gelegentlich höre ich aber auch Ambient und klassische Musik.


Während Nortt als Solo-Projekt bereits existierte, hast Du noch in zwei anderen Projekten namens Apollyon und Strynchos gespielt. Das ging ja thematisch anscheinend in eine völlig andere Richtung, als es Nortt tut. Könntest du Dir heutzutage noch vorstellen, in solchen Projekten die thematisch - sagen wir einfach mal - weniger tief greifende Themenbereiche des Metal abdecken, zu spielen?


Augenblicklich spiele ich sogar noch mit Apollyon, auch wenn die Proben zurzeit sehr rar gesät sind. Ich schaue immer mal, ob ich mit den Leuten irgendwo auftreten kann, weil sie sehr interessante Musiker sind. Es macht Spaß mit ihnen zu arbeiten, zudem inspirieren sie mich sogar ein wenig. Aber egal, du hast Recht. Niemals könnte ich Musik mit anderen Menschen machen und dabei das tiefsinnige Level von Norrt erreichen.


Wahrscheinlich wurdest Du das bereits des Öfteren gefragt: Besteht die Möglichkeit, dass man Nortt einmal live auf der Bühne erleben kann? Hättest Du dafür bereits fähige Session-Musiker und wenn, was sollten diese ideologisch und technisch mitbringen?


Ich habe natürlich schon mal darüber sinniert. Du kannst nicht eine Dekade lang aktiv Musik erschaffen, ohne dabei über einen Live-Auftritt nachzudenken. Letztendlich bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass es nicht funktionieren würde. Ich würde nicht mögen, wenn andere Menschen in den heiligen Kreis von Nortt eintreten. Ich persönlich bin zudem nicht so versessen auf Konzerte, somit belasse ich es bei der Überlegung.


Ich danke Dir recht herzlich für dieses interessante Gespräch.